| URSULA SCHULZ-DORNBURG | |
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BAHNHÖFE DER HEJAZ BAHN
Wege. Pilgerrouten, Karawanenwege seit Anfang aller Zeiten. Wo Menschen gingen, entstand ein neuer Weg. Die große Weihrauchstraße. In islamischer Zeit die Wallfahrten zu den heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina. Nomadenland, einer der zahllosen Götter dieser Gegend trug den Namen: Der keinen Wein trinkt und kein Haus baut. Entlang der Wege: Schriften, Graffiti auf Felsen und Steinen, Arabisch, Aramäisch, auch Zeichen von Sprachen, die keiner mehr kennt. Unter ottomanischer Herrschaft wurde 1900-1908 die Hejaz-Bahn gebaut, konstruiert vom deutschen Ingenieur Heinrich Meissner. 1300 km von Damaskus nach Medina. Beduinenstämme, in Auflehnung gegen die ottomanische Herrschaft und unterstützt von T.E. Lawrence, dem legendären Lawrence von Arabien, zerstörten die Bahnlinie 1916/17. Übriggeblieben im Nirgendwo sind allein diese Bahnhofe, an denen kein Zug mehr hält, kein Mensch mehr etwas erwartet. Standardisierte Architektur, zwei Quaderformen, angeordnet in L-Form, ein paar Fensteröffnungen. Die Gleise sind herausgerissen, die Trassen ziehen vage Verlaufe von Spuren über die Schotterfläche der Wüste. Der Weg, Zurückgenommen in die Stratigrafie der Geschichte, die im Namenlosen wurzelt. Tiefes Schweigen liegt über den kargen Szenerien. In dieser Stille, im Licht ihres bevorstehenden Verschwindens, gelangen die aus ihrer Funktion entlassenen Bauten zu intensivster Präsenz. 2003 ist Ursula Schulz-Dornburg die Wege nachgegangen und hat die vorläufig letzte Schicht des Geschehens an diesem Ort des Planeten fotografiert, gleichermaßen nach innen wie nach außen blickend. Matthias Bärmann
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